Niemand fragt, ob Ihre Prognose perfekt war
Alle fragen, ob Sie sie erklären können. Das ist ein Unterschied, der über Karrieren entscheidet.
Drei Jahre nach dem Beschluss
Die Lokalzeitung titelt: „Neue Schule bleibt halb leer“. Fünfzehn Millionen hat der Neubau gekostet. Beschlossen vom Bildungsausschuss, einstimmig. Grundlage: Ihre Prognose.
Jetzt kommen achtzig Schülerinnen und Schüler weniger als vorhergesagt. Und in der nächsten Sitzung steht genau eine Frage im Raum. Sie wird nicht laut gestellt. Sie muss nicht laut gestellt werden: Wer hat die Zahlen geliefert?
Warum Perfektion das falsche Ziel ist
Eine unbequeme Wahrheit vorweg: Keine Schülerzahlenprognose trifft exakt ein. Kinder ziehen weg, Baugebiete verzögern sich, Übergangsquoten verschieben sich. Wer Perfektion verspricht, sagt die Unwahrheit.
Die relevante Frage ist eine andere: Können Sie in drei Jahren erklären, warum Sie damals so prognostiziert haben?
- Mit welchen Daten?
- Nach welcher Methode?
- Unter welchen Annahmen?
Wenn ja, sind Sie sicher. Auch wenn die Realität abweicht. Denn dann war die Abweichung kein Fehler, sondern eine Veränderung der Grundlagen. Und das können Sie zeigen.
Wenn nein, sind Sie angreifbar. Selbst wenn Ihre Zahl zufällig stimmt.
Was uns vier Gespräche gelehrt haben
Wir dachten lange, unser stärkstes Argument sei die Zeit: dreißig Minuten statt fünf Wochen. Dann haben wir mit ehemaligen Bürgermeistern und Verwaltungsleuten gesprochen.
Das Ergebnis: Kein einziger hat spontan auf die Zeitersparnis reagiert. Worauf alle reagiert haben, war Verlässlichkeit. „Zahlen, hinter denen man stehen kann.“
Die Erklärung ist einfach. Die wochenlange Datenarbeit ist lästig, aber planbar. Der Moment, in dem sich eine Zahl nicht erklären lässt, ist es nicht. Das eine kostet Zeit. Das andere kostet Standing.
Die erklärbare Prognose schützt Sie
Wenn die Antwort auf die Frage im Sitzungssaal ein Excel-Stapel mit Formeln von 2019 ist, haben Sie ein Problem. Wenn die Antwort eine transparente Methodik ist, die seit zwanzig Jahren in kommunalen Prognosen im Einsatz steht, haben Sie eine Verteidigung.
Deshalb: Investieren Sie nicht in die perfekte Prognose. Die gibt es nicht. Investieren Sie in die erklärbare Prognose. Die schützt Sie an dem Tag, an dem die Frage kommt. Und sie kommt.
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